Reha für Perde

Therapie und Training
Auf dieser Seite möchten wir Ihnen einen Einblick geben, wie unsere Arbeit mit unterschiedlich gehandicapten Pferden aussehen kann.

 

Nach dem grundsätzlichen „OK“ der behandelnden Tierärzte fängt der schwierigste Teil des Trainings an:

  • Was kann ich meinem Pferd zumuten und wie trainiere ich es?
  • Welche Voraussetzungen und Eigenschaften muss ich wie gewichten
  • Wie gehe ich mit Rückschritten um?

 

Wonach wir unsere Arbeit während der ‚Reha‘ ausrichten:

  • Trainingsaufbau: mit der richtigen Dosis Belastung, ohne Streß und Anstrengung.
  • Mit Fingerspitzengefühl das richtige Maß treffen, das Pferd fordern, aber keinesfalls überfordern (JEDES Überfordern, physisch wie psychisch, macht sofort alle vorangegangenen Fortschritte zunichte!)
  • Situationsabhängig reagieren, die Tagesform beachten. Das Pferd BEOBACHTEN, was kann ich heute von ihm fordern? Kann ich da weitermachen wo wir gestern aufgehört haben, oder gehe ich einen (oder gar mehrere) Schritte zurück?
  • „Hinfühlen“ an gestellte Aufgaben – klein Anfangen, erst dann mehr verlangen. Nur weil es im Trainingsplan steht, kann es sein, dass 4 lange Seiten Trab heute zu viel sind!

 

Wirbelwind

Wirbelwind

  • Alter: 7
  • Krankheitsbild: starke, wiederkehrende Probleme mit dem Immunsystem. In akuten Phasen baut sie extrem ab, ist kränklich und schwach. Dadurch entstehen immer wieder lange Ausfall-/Pausezeiten.
  • Rekonvaleszenz: in akuten Phasen natürlich Trainingspause, mit wenig bis gar keiner Beschäftigung. Maximal leichte Bodenarbeit/laufen lassen, bis hin zu ‚komplett in Ruhe lassen (Koppel- und Paddockgang). Das hängt von ihrem Zustand ab, und dem ‚wollen‘. Sie hat Phasen, da sucht sie die Aufmerksamkeit und ‚will‘, andersherum jedoch auch Zeiten, in denen wir sie lieber in Ruhe lassen.
  • Reha – Worauf achten wir?
    • Das Antrainieren erfordert jedes mal absolute Rücksichtnahme, und von unserer Seite die Bereitschaft ‚wieder von vorne anzufangen‘.
    • Geduld (Pause gönnen, unter Umständen trotz gerade neuer Erfolge), und immer wieder schonender Aufbau. Die abgebaute Muskulatur vor dem ersten Reiten wieder stärken, gehorsam, Vertrauen und Motivation sicherstellen.
    • Erst dann wird gesattelt – und wir beginnen wieder mit Remontentraining.

Zwiebel

Zwiebel

  • Alter: 9 Jahre
  • Zwiebel war früher auf Grund ihres Sattelzwangs unreitbar. Sie hat eine sehr empflindliche Schulter, eventuell anatomisch bedingt. Dazu kommt Headshaking mit ungeklärter Ursache, hier stehen Allergien im Raum. Außerdem hat sie lockere Kniebänder, die es ihr erschweren, Last aufzunehmen.
  • Reha – Worauf achten wir?
    • Die Sattelproblematik haben wir durch ganz behutsames Training in den Griff bekommen – ganz konsequent darauf achten, nicht auf der Schulter zu satteln, beim Reiten jeden Druck auf die Schulter vermeiden. Gerade am Anfang haben wir viel mit Fellsattel gearbeitet, um ihr die Angst zu nehmen.
    • Zum kräftigen der Muskulatur (Knie, soweit wie halt möglich) machen wir viel Bodenarbeit, schonendes Longieren, etc. Dabei hilft uns der Umstand, dass Zwiebel wahnsinnig schnell lernt und auch bei neuen Sachen eifrig dabei ist.
    • Schwierig, und immer wieder schade ist es, dass sie – sobald sie im Rücken ‚aufmacht‘ – Probleme mit den Knien bekommt. Daher ist der richtige Zeitpunkt aufzuhören die größte Herausforderung! Ein Zuviel an Belastung, auch wenn es im Augenblick noch so erfolgreich ist, schlägt sich bei ihr in größeren Zwangspausen aufgrund von Lahmheit nieder. Deswegen: rechtzeitig aufhören, den Erfolg setzen lassen, und in der nächsten Einheit davon profitieren.
    • gegen das Headshaken hilft (manchmal) ein Nasennetz. Die meiste Zeit kommen wir jedoch ohne aus.

Delia – Gastpferd

Delia

  • Alter: 12 Jahre
  • Vorgeschichte:
    • solide ausgebildetes Pferd, ein Vorbesitzer, kaum wechselnde Reiter.
    • Innerhalb kürzester Zeit entwickelte sie unerklärliches, atypisches Verhalten. Erst nur unter dem Sattel, dann auch im Umgang. Sie streßt sich in eigentlich bekannten und ’normalen‘ Situationen, ist absolut unreitbar (Streß, Ohren anlegen, Rücken wegdrücken, sich entziehen bis hin zum Steigen. Mehrere Trainer- und Stallwechsel waren bisher erfolglos.
  • Rekonvaleszenz: Wir sprechen das weitere Vorgehen mit der Besitzerin ab und entscheiden uns, die Stute zu uns zu stellen. Das wichtigeste: Wir stehen nicht unter Zeitdruck! Das gibt uns die Möglichkeit, uns umfassend mit Delia zu befassen und erst nach einigem Beobachten das weitere Vorgehen abzustimmen.
    • Als Delia zu uns kommt ist sie zunächst völlig teilnahmslos. Auf dem Weg zur Koppel stolpert sie mehr hinter uns her, als dass sie läuft, und auch ansonsten zeigt sie wenig Teilnahme. Sie steht nun in einer kleinen, harmonischen gemischten Gruppe.
  • Reha – Worauf achten wir?
    • Noch während ihrer Pause haben wir langsam angefangen, uns mit ihr zu beschäftigen. Ohne Erwartungshaltung, ohne Druck, etwas erreichen zu müssen.
    • Innerhalb eines Monats hat sich ihr Zustand deutlich verbessert: sie ist ‚wacher‘, nimmt an ihrer Umgebung teil, zeigt Interesse.
    • Das kürzertreten kommt lt Tierarzt aus der verspannten Muskulatur und hat keine Ursache, die anderweitig auskuriert werden muss. Daher können wir anfangen mit ihr zu arbeiten.
    • Auch die angelaufenen Beine werden besser – das wird mit wachsender Arbeit vielleicht sogar komplett weggehen.
    • Beim longieren tritt sie mittlerweile deutlicher Richtung Schwerpunkt, bei der leichten Handarbeit zeigt sie sich geschmeidiger. Der klamme Gang hat sich gebessert, auch wenn ein leichtes kürzertreten noch sichtbar ist.

Das ist der Stand nach zwei Monaten Beschäftigung. Wir werden uns weiterhin mit ihr Beschäftigen, und ihr nicht mehr zumuten, als sie bereit ist zu leisten.

Weike, die ‚kleine Schwarze‘

Waike

  • Alter: 6 Jahre
  • Problematik: Sie hat eine Verletzung im Nacken durch einen Koppelunfall im Fohlenalter. Die damals gequetschten Sehnen und/oder Bänder bereiten ihr heute noch Probleme. Sie ist offensichtlich wetterfühlig, an nasskalten Tagen äußert sich das durch Kopfschlagen, zucken und eine gernerell sehr steife und ‚krampfige‘ Haltung (auch bei Ruhe bzw auf der Koppel). Durch die Kopfhaltung verspannt sie natürlich im Rücken, was sich dann bei ihr in einer geschwächten Hinterhand äußert.
  • Haltung: Wir versuchen, ihr gerade dieses nasskalte Wetter dadurch zu erleichtern, indem wir sie eindecken und warm halten. Deswegen steht sie im Herbst mit Kopfmaske draußen – der wärmende Effekt reicht oft schon aus, um ihr Linderung zu verschaffen. Dadurch steht sie zumindest entspannt und ohne Kopfschlagen auf dem Paddock. Reiten ist in solchen Phasen natürlich absolut kontraproduktiv.
  • Reha – Worauf achten wir?
    • Absolut streßfreies arbeiten, Boden-/Handarbeit um Vertrauen zur Reiterhand aufzubauen und die Muskulatur ohne Reitergewicht zu stärken. Nur dadurch haben wir die Chance, die hochgezogene Rückenmuskulatur zu lockern.
    • Das schwache Hinterbein wird sich erst aus einem stabilen Genick und dem daraus resultierendem schwingendem Rücken heraus verbessern.
    • Generell arbeiten wir also an Stabilität und Kraft.